"Ich höre was, das Du nicht hörst ..."

MQW-Gesundheitstag zu den Themen Tinnitus und Impfungen / Plädoyer gegen Impfmüdigkeit: Auch an Kinder und Enkel denken

Heide - Allein in Deutschland leiden mehr als drei Millionen Menschen unter unangenehmen Hörgeräuschen - Tinnitus genannt. Im Laufe eines Lebens ist jeder vierte Deutsche irgendwann einmal betroffen. Dennoch kommt die Wissenschaft hinsichtlich Ursache und Behandlung kaum weiter. Das wurde bei dem Vortrag von Dr. Andreas Gerken deutlich. Der erfahrene HNO-Arzt, der in Husum und St. Peter-Ording praktiziert, zeigte aber Wege auf, wie Patienten lernen können, gut mit der Krankheit  zu leben. Im zweiten Abschnitt des MQW-Fortbildungstages referierte der Kinder-und Jugendarzt Christopher Schäfer, der in Itzehoe und Brunsbüttel tätig, ist über das Thema "Vorbeugen und Impfen". Moderiert wurde der Abend im Heider Ballhaus "Tivoli" von Burkhard Sawade, Vorstandssprecher des Medizinischen Qualitätsnetzes Westküste, und Dr. Beate Tschirner.

Zu Beginn der Veranstaltung erläuterte Dr. Gerken den jüngsten Stand bei der Erforschung des Tinnitus. Entscheidend ist dabei, dass der unangenehme, nie endend wollende Ton losgelöst vom Höhrsystem im Großhirn gebildet wird. "Man könnte sagen: ich höre was, was Du nicht hörst", beschrieb der HNO-Arzt das Symptom. Selbst wenn die Hörnerven durchtrennt werden, bleibt der Ton beziehungsweise das Geräusch erhalten. Die möglichen Auslöser sind neben körperlichen Erkrankungen wie zum Beispiel eine Störung der Halswirbelsäule oder ein gutartiger Tumor auch ein sehr lauter Knall. Darüber hinaus spielen Stress und emotionale Ereignisse eine Rolle bei der Entstehung des Hörgeräuschs.

In der Therapie setzt die Medizin vor allem auf drei Säulen: 1. Medikamente vor allem in den ersten drei Monaten, 2. so genannte Noiser, die den Ton überdecken sollen, 3. Psychotherapie, unter anderem um die mit dem Symptom einhergehenden Ängste zu bewältigen. "Ziel der Behandlung ist zumeist nicht, den Tinnitus zum Verschwinden zu bringen, sondern sich damit zu arrangieren", erklärte Dr. Gerken.  Im Anschluss an den Vortrag nutzte Friedrich-Wilhelm Trottmann von der Deutschen Tinnitus-Liga die Möglichkeit, seine Organisation und deren Angebote vorzustellen.

Auch der Kinderarzt und Impfexperte Christopher Schäfer konnte mit zum Teil überraschenden Erkenntnissen aufwarten. So sei zum Beispiel die Kinderlähmung - die weltweit als ausgestorben galt - in einigen Ländern wieder auf dem Vormarsch, weil die Impfungen vernachlässigt würden. Auch die Zahl der Masernerkrankungen in Deutschland nimmt wieder zu. Schäfer warnte daher: "Die Masernimpfung ist sehr wichtig. Immerhin endet die Krankheit in einigen Fällen tödlich."

Der Facharzt, der auch die möglichen Nebenwirkungen erläuterte, machte dabei deutlich, dass nicht nur Kleinkinder und Jugendliche geimpft werden müssten. "Eine Impfung ist immer sicherer als das Durchmachen der Erkrankung. Und es ist sinnvoll, dass sich Eltern und Großeltern vorsorglich impfen lassen", sagte Christopher Schäfer und verdeutlichte die Aussage am Beispiel Keuchhusten, da vor einer Impfung, die erst später möglich ist, insbesondere Babys sehr gefährdet seien. Insofern appellierte Burkhard Sawade im Anschluss an den Vortrag noch einmal an die Anwesenden: "Wenn Sie das nächste Mal zum Hausarzt gehen, nehmen Sie das Impfbuch mit."


Freuten sich über die gelungene Veranstaltung in Heide (v. li.):  Christopher Schäfer, Burkhard Sawade, Dr. Andreas Gerken, Dr. Beate Tschirner. (Foto: MQW/Kienitz)