Rheuma – moderne Medizin hat den Kampf aufgenommen

MQW-Informationsabend zum Thema Gelenkerkrankungen / Große Fortschritte in der Behandlung / Zu wenige Rheumatologen in Schleswig-Holstein

Heide – Rheuma ist nicht gleich Rheuma. Hinter dem Sammelbegriff verstecken sich zahlreiche Krankheitsbilder mit unterschiedlichen Ursachen.  Und die Suche nach den Ursachen gestaltet sich für den behandelnden Arzt zu einer notwendigen Detektivarbeit, damit die für den Patienten optimale Therapie bestimmt werden kann. Doch die moderne Medizin hat den Kampf gegen die tückische Krankheit aufgenommen. Das machte Dr. Helge Körber, Asklepius Gesundheitszentrum Elmshorn, beim jüngsten Gesundheitstag des Medizinischen Qualitätsnetzes Westküste in Heide deutlich. „Wir haben es mit 500 verschiedenen Erkrankungen zu tun. Davon sind 80 Prozent degenerativ, also aufgrund von Verschleiß. 20 Prozent sind internistische Erkrankungen“, erläuterte der Internist, Rheumatologe und Osteologe. Zuvor hatte MQW-Vorstandssprecher Burkhard Sawade in seiner Anmoderation darauf hingewiesen, dass es in Schleswig-Holstein nur sehr wenige ambulant tätige Rheumatologen gibt. An der gesamten Westküste zwischen der dänischen Grenze gibt es bis Elmshorn nicht einen einzigen niedergelassen Arzt aus dieser Fachrichtung.

Nachdem Dr. Körber die verschiedenen Verzweigungen der Rheumaerkrankungen im Bereich der Inneren Medizin – von der rheumatischen Arthritis, über eine Schuppenflechte-Arthritis bis zum Morbus Bechterew –  dargestellt hatte, ging er vor allem auf die therapeutischen Optionen ein.  Dabei zeigt er auf, dass sich in den vergangenen Jahren sehr viel bewegt hat. Die Basistherapie hilft mittlerweile bereist 99 Prozent aller betroffenen Patienten. In diesen Fällen werden gleich zu Beginn der Behandlung sehr starke Medikamente eingesetzt, um die Erkrankung möglichst frühzeitig zu stoppen. Darüber hinaus gibt es inzwischen so genannte Biologika, gentechnisch hergestellte Antikörper, die sich als hochwirksam erwiesen haben und ergänzend in das Behandlungskonzept eingebaut werden. Ergänzend gehören Physiotherapie und Hilfsmittel auch weiterhin zu den wichtigen unterstützenden Maßnahmen. Auch die Ernährung – weniger Fleisch, mehr Fisch – könne dazu beitragen. Dennoch stelle Dr. Körber klar: „Wir können die Krankheiten nur eindämmen und die Lebensqualität der Patienten verbessern, eine komplette Heilung ist jedoch bislang nicht möglich.“

Im Anschluss an den Vortrag stellte Gerda Fröhlich von der Schleswig-Holsteinischen Rheuma-Liga (RLSH) die Arbeit ihres Vereins vor. Sie kündigte an, dass die RLSH aufgrund der gestiegenen Mitgliederzahl in der Region demnächst ein Büro in Heide eröffnen werde. Auch Gerda Fröhlich beklagte die geringe Zahl an Rheumatologen und führte das auf die schlechte Bezahlung dieser Fachärztegruppe zurück.
Mit den operativen Möglichkeiten bei rheumatisch bedingten Verschleißerkrankungen an den Gelenken befasste sich Dr. Jochen Krajewski, Oberarzt der Orthopädie und Sportmedizin in der Helios Ostseeklinik Damp. „Eine Operation ist aber oft nicht die einzige Option, die wir haben. Erst wenn alle anderen Mittel ausgeschöpft sind, müssen wir den Eingriff planen“, sagte der Facharzt. Auch bei Gelenkoperationen und dem Ersatz der Gelenke sind in jüngster Zeit weitere Fortschritte erzielt worden. Verbesserte Methoden und Materialien erlauben eine frühzeitige Belastung sowie die Entlassung aus der Akutklinik bereits nach fünf bis sechs Tagen.

Eine Ausnahme stellt das Schultergelenk dar, dem Spezialgebiet von Dr. Krajewski. In kleinen Filmen und anhand von Grafiken zeigte er, wie zum Beispiel ein Sehnenabriss „repariert“ oder das Gelenk ersetzt wird. Jedoch müssen Schulterpatienten viel Geduld mitbringen. Zuweilen dauert es ein Jahr, bevor der Patient wieder vollkommen schmerzfrei ist.

Informationen im Internet:
www.rlsh.de
www.rheumanet.org